Ich bin Peter Pan, weil ich für immer Kind bleibe

Die einen haben ihn schon hinter sich, andere laufen ihm – mehr oder weniger angsterfüllt – entgegen: Der 25. Geburtstag. Die gesellschaftliche Norm erwartet von uns, dass wir in diesem Alter bereits ein regelmäßiges Einkommen haben, fest im Leben stehen und fleißig unsere Steuern zahlen. Heutzutage kann man aber auch ganz gut außerhalb dieser Norm leben: Ein Plädoyer gegen das Erwachsenwerden

25. In ein paar Monaten. Mitte zwanzig. Fertig mit dem Studium. Mit Bachelor, aber ohne Rose und Dreamdates. Und nun? Als Kind hätte ich mich über das Alter gefreut; mit einer Idealvorstellung „richtig erwachsen“ zu sein. Total bodenständig. Perfekt. Witzig. Nur leider bleibt meine Vorstellung eben nur eine Vorstellung. Denn nun stehe ich hier und muss feststellen, dass ich nicht wirklich weiser und erwachsener geworden bin. Niemand hat mir beigebracht oder erklärt, dass das Leben plötzlich so ernst wird. Kein Crash-Kurs in der Uni, keine Anleitung zum Erwachsenwerden. Anträge, Versicherung, Gehaltsverhandlungen. Und wo ich nur hinsehe – überall Verantwortung. Verantwortung, die mir über den Kopf steigt. Verantwortung, die ich zwar bewältigen kann, nur will ich sie nicht in meinem Leben.
Warum gibt es in Deutschland eigentlich für absolut alles Anträge beim Amt, aber für das Erwachsenwerden nichts. Mich hat keiner gefragt. Das war‘s mit Spontanität und Leichtsinn. Adé zum Studentenleben, monatelangen Backpacking und zur endlosen Freiheit. Hallo Finanzamt und 30 Urlaubstage im Jahr. Plötzlich stehen Wörter wie Sicherheit, Kinder und Bausparvertrag im Raum, dabei habe ich gar keinen Plan von sowas – und um ehrlich zu sein will ich mich damit auch nicht befassen. Alles wird so ernst. So langweilig. Wo ist die Leichtigkeit hin? Ich will nicht eine von solchen Latte-Macchiato-Muttis werden, will nicht zum Babyschwimmen und mich jeden Sonntag meinen Steuern widmen. Ich sehe mich nicht mit Hund, Haus und Familie. Auch wenn ein Kind und ein Golden Retriever noch so süß sein können. Ich will abends nicht mit meinem Mann ein „Weinchen“ beim Tatort genießen und mich beim Pärchentreff nicht stundenlang über langweilige Themen unterhalten. Noch nicht. Vielleicht mit Mitte dreißig. Jetzt will ich per Anhalter fahren, reisen, genießen und das tun, bei dem jeder andere sofort sagen würde: „Bist du des Wahnsinns?“.
Ich weiß, was jetzt kommt: „Ach komm jetzt stell dich nicht so an. So ist es halt, das gehört zum Leben dazu. Peter Pan ist nicht umsonst eine Märchenfigur.“ An dieser Stelle kann ich nur sagen: Schade! Hätte ein guter Freund von mir werden können. Denn ich kann ihn sehr gut verstehen. In diesem Sinne hoch lebe Peter Pan!

 

Websiteheader-e1410856914527

Text: Maria Murnikov
Foto: Ryan Moreno /Unsplash

Kommentar verfassen