Geldlos – sorglos?

Drei Eier gegen ein Päckchen Milch? Was wäre, würde man das Geld ab morgen abschaffen und die Tauschwirtschaft einführen? Geht das? Kann man so leben? Einige Aussteiger machen es vor und verzichten ganz oder fast auf den schnöden Mammon.

Geld regiert die Welt. Das ist nicht nur so ein Sprichwort, das man gerne einwirft, wenn es zum Beispiel um die Auswüchse in der Finanzwirtschaft geht, um Korruption, um die ungerechte Verteilung des Reichtums oder andere Konsequenzen des Kapitalismus. Unser aller Konsum, vor allem in Deutschland, regelt sich mittlerweile sehr stark über den Preis. Möglichst billig soll alles sein, dann wird es gekauft. Also wird auch möglichst billig produziert. Was dabei herauskommt, sind kurzlebige Produkte, schnell gekauft, schnell ersetzt, wenn etwas nicht mehr funktioniert. Und das in Massen. Die Folgen werden kaum hinterfragt, die Produktionsbedingungen in anderen Ländern spielen für die Mehrheit noch immer keine große Rolle und auch die Konsequenzen für die Umwelt werden ausgeblendet. Allein in Deutschland produzieren wir pro Kopf jährlich über 600 Kilogramm Müll, in der Tonne Landen dabei auch etliche noch genießbare Lebensmittel. Ganz zu schweigen von der Ressourcenverschwendung. Für die Produktion einer einzigen Jeans werden etwa 7.000 Liter Wasser genutzt, für ein Kilo Fleisch braucht es bis zu 15.000 Liter Wasser. All das macht bei näherer Betrachtung nur wenig Sinn. Und entsprechend wird die Zahl der Aussteiger größer. Sie versuchen, unserem System die kalte Schulter zu zeigen und schließen sich dafür in kleinen Gemeinschaften zusammen.

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So zum Beispiel Karsten und Bärbel Petersen. Sie sind die Gründer der Friedenshof Kommunität in Neustadt am Rübenberge, etwa 30 km von Hannover entfernt. Sieben Bewohner leben hier heute gemeinsam unter einem Dach und versu- chen einen ganz anderen Weg. Kein Handy, kein Fernseher, dafür eine besondere Verbindung zur Natur. Im Garten werden Gemüse und Früchte angebaut und zwischendurch wird meditiert. Mittlerweile leben die beiden seit 24 Jahren dort, fernab von der Stadt, vom Konsumwahn und der Alltagshektik. Den Einsatz von Geld versuchen sie auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Es ist 13 Uhr, alle versammeln sich und stehen schweigend fünf Minuten im Garten. Absolute Stille. Das wirkt zunächst befremdlich. Aber es geht ihnen darum, ganz bewusst die Ruhe im Alltag zu genießen. Sich ein paar Minuten Zeit für sich und die Natur nehmen. Das Essen, ausschließlich vegetarisch und vegan, wird ebenfalls still im Garten gegessen. Es wird tatsächlich nicht gesprochen, die Konzentration auf den Geschmack steht im Vordergrund. Das Leben hier ist so ganz anders, irgendwie leichter, entspannter, fernab vom Stadttrubel. Ich habe den Eindruck, als würde die Zeit langsamer vergehen. Der Tag fängt mit dem Sonnengruß an und hört mit dem Tagesabschluss am Lagerfeuer auf. Durchaus ein Gegenentwurf.

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Doch so ganz ohne Geld geht es dann doch nicht, man kann sich weitgehend ausklinken, aber eben nicht vollständig, dafür muss man es noch konsequenter angehen. So wie beispiels weise Raphael Fellmer, der seit fünf Jahren mit seiner Familie im Geldstreik lebt. Der Berliner verzichtet ganz bewusst auf Geld, um auf die Folgen unseres Massenkonsums aufmerksam zu machen. Er ernährt sich von abgelaufenen Le- bensmitteln aus dem Abfall und wohnt in einer Gemeinde, in der er im Austausch als Hausmeister arbeitet. Und er beweist damit, dass in diesem System ein Leben ohne Geld durchaus möglich ist. Man kann sich ausklinken und nach eigenen Regeln leben, sich seine eigene, kleine Welt schaffen. Aber ein Modell für die Allgemeinheit ist das sicher nicht. Trotzdem sind solche Beispiele eine Inspiration. Es geht auch ganz anders, vielleicht geht es dann ja auch ein bisschen anders.

Text: Maria Murnikov
Fotos: Tom Bergsteiner / Maria Murnikov

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